Moshé Feldenkrais und seine Methode
Moshé Feldenkrais (1904 –1984) wanderte bereits als fünfzehnjähriger aus seinem russischen Geburtsort Slawuta ins damalige Palästina aus. Später bildete er sich in Paris um Nuklearphysiker aus und war im Team von Joliot-Curie an der ersten Kernspaltung beteiligt. In Paris erlernte er auch die Kampfsportart Judo und wurde Träger des Schwarzen Gürtels.
Autodidaktisch eignete er sich profunde Kenntnisse in Anatomie und Physiologie, und insbesondere in der Funktionsweise des Nervensystems an. Während des zweiten Weltkriegs arbeitete er an Raketenabwehrsystemen in England. Seine im Lauf des Lebens erworbenen Kenntnisse prädestinierten ihn zur Entwicklung seiner Methode.
Ein stimulierendes Ereignis war sicher eine schwere Bandverletzung am Kniegelenk, die er sich beim Sport zugezogen hatte. Er erkannte, dass normales Gehen und sich Bewegen auch mit verletzten Gelenken möglich ist. Dies unter der Voraussetzung, den Körper als dreidimensionale bewegliche Form im Raum zu spüren. Als Physiker war für ihn klar, dass jegliche Masse auf unserem Planeten in ihrer Bewegung der Schwerkraft folgt. Sie bewegt sich zum Erdmittelpunkt hin, wird vom Boden abgestützt und strebt dort ein Gleichgewicht an. Für bewegliche Lebewesen, also auch für den Menschen, ist das Gleichgewicht labil, veränderlich.
Bewegung ist eine fortwährende Veränderung, ein kontinuierliches Verlieren und Wiedergewinnen des Gleichgewichts. Beim Erlernen der Kampfsportart Judo hatte sich Moshé eine äusserst präzise Körperwahrnehmung angeeignet. Dies erlaubte ihm, seinen Körper während den Bewegungen ständig als Ganzes zu spüren und über dieses Spüren der Bewegungen zu steuern. Trotz eines bandinstabilen Knies normal gehen zu können, brachte Moshé auf den Gedanken, auch anderen Menschen, gesunden und verletzten, durch Verfeinerung ihrer Körperwahrnehmung zu angenehmeren, leichteren Bewegungen zu verhelfen.
Leichte, bewusst durchgeführte Bewegungen brauchen weniger Energie. „Physikalisch korrekt“, also leicht durchgeführte Bewegungen sind überraschenderweise mit Wohlbefinden verbunden. Jeder kann die Richtigkeit“ seiner Bewegungen anhand seines Wohlbefindens selber messen. Moshé entwickelte zwei Wege zur Uebermittlung seiner Methode: In Bewusstheit durch Bewegung werden Gruppen angeleitet, Bewegungsabläufe Schritt für Schritt durch feines Nachspüren von Einzelelementen einer Bewegung zu erlernen. Funktionale Integration beinhaltet Einzellektionen.
Während eines wortlosen Bewegungsdialogs erhält der Schüler vom Lehrer durch feine Bewegungen Vorschläge für eine neue Körpererfahrung. In beiden Fällen erfolgt das Lernen durch Interaktion des Körpers mit der Schwerkraft, ähnlich einem Kind, das durch den Umgang mit der Schwerkraft lernt, seinen Körper ins Gleichgewicht, zum Stehen zu bringen. Im Nervensystem vorgesehene Pläne zur Entwicklung der menschlichen Bewegungen werden bei der Feldenkrais-Methode ausgenützt. |
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