Arztpraxis
Nach dreissigjähriger
Tätigkeit in orthopädischer Chirurgie habe ich 2005 meiner
Praxis ein neues Gesicht gegeben. In meiner Sprechstunde empfange
ich Patienten mit orthopädischen Leiden, führe aber keine
operativen Eingriffe mehr durch.
Ich sehe mich als Anlaufstelle für Patienten, die über
konservative und operative Behandlungsmethoden beraten werden möchten.
Häufig sind sowohl Patienten als auch Ärzte entweder sehr
operationsfreudig, oder aber gegenüber chirurgischen Eingriffen
a priori negativ eingestellt. Beides sind extreme Haltungen.
Ich möchte den Patienten helfen, den Weg zu der Behandlungsmethode
zu finden, die ihnen am ehesten Erfolg verspricht. Da ich nicht
mehr operativ tätig bin, verfüge ich über genügend
Zeit, mit den Patienten im Gespräch zu einer für sie befriedigenden
Lösung zu kommen. So kann ich die Patienten je nach Bedarf
einem operativ tätigen Kollegen zuweisen, sie zur Physiotherapie
schicken oder auch konservativ selber behandeln.
Die Bereitschaft eines Patienten zu einem operativen Eingriff hängt
nicht nur von der medizinischen Notwendigkeit ab. Jeder Patient
sollte die Gelegenheit haben, einen persönlichen Reifeprozess
zu durchgehen, bevor er sich zu einer Operation entschliesst, ausgenommen,
es handelt sich um einen lebensbedrohlichen Notfall.
Oft erreiche ich Erfolge durch Feldenkraislektionen,
die ich den Patienten anbiete, da viele Schmerzzustände des
Bewegungsapparates von muskulären Verspannungen herrühren.
Diese Verspannungen führen zu erhöhtem, unnötigen
und asymmetrischen Druck auf die Gelenke.
Die Patienten nehmen ihre Verspannungen als solche oft gar nicht
mehr wahr, da sie mit dem gewohnheitsmässigen Gebrauch ihres
Körpers zusammenhängen. Und diesen seit Jahren eingespielten
Gebrauch ihres Körpers stellen die meisten Menschen erst in
Frage, wenn sie von hartnäckigen Schmerzen geplagt werden.
Während den Feldenkraislektionen kann den Klienten der Gebrauch
oder eben Nichtgebrauch ihres Bewegungsapparates klargemacht werden.
Sie lernen, das Gewicht ihrer einzelnen Köperteile wahrzunehmen,
den Umfang und Ablauf ihrer Gelenksbewegungen zu erfahren und den
Aufwand an Muskelkraft präziser zu dosieren. So haben beispielsweise
Rückenschmerzen keinen Grund mehr aufzutreten, wenn der Klient
lernt, seine Wirbelsäule im Schwerefeld auszubalancieren.
Mit der Feldenkraismethode wird keine Heilung von Arthrosen, Sehnen-
oder Bänderrissen angestrebt. Die Lektionen sind jedoch sinnvoll
als Vorbereitung auf einen Eingriff. Ein Patient, der ein Gelenk,
an dem er operiert wird, besser wahrnimmt, wird sich mit der Nachbehandlung
leichter tun.
Auch die Nachbehandlung von Patienten mit orthopädischen Eingriffen
kann über die Feldenkraismethode erleichtert werden, setzt
aber gute anatomische Kenntnisse des Feldenkraislehrers voraus.
Ueber die Feldenkraismethode wird nicht ein operiertes Gelenk nachbehandelt.
Es wird vielmehr darauf hingearbeitet, dass das „reparierte“
Gelenk seine Funktion im Rahmen der Bewegungsabläufe des Patienten
wieder wahrnimmt. |